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12. Frauenbergtour
ZAUBERHAFTER ROSENGARTEN
(DOLOMITEN) 

Text: Karin Brinkmann

 

 

Der frühe Vogel fängt den Wurm“ – dachte sich Manni bestimmt, als er den Abfahrtszeitpunkt am heiligen Sonntag, dem 21.08.2016, auf 5.00 Uhr legte. Die sichtlich verschlafenen Vögelchen Margit, Anna­belle, Andrea, Ulli, Elisabeth und ich (Karin) scharten sich dann auch gehorsam ganz pünktlich um Obervogel Manni. Doch statt eines Wurms bekamen wir erst einmal die Plätze im Auto zugewiesen und starteten erwartungsfroh durch zur Fahrt in die Dolomiten.

Man hatte uns für die 12. Frauentour (Jubiläum!) eine Wellnesstour versprochen und so waren wir gespannt, wie Manni für unser Wohlbefinden sorgen würde. Gegen neun erwachten wir alle aus dem Tiefschlaf, nämlich als Manni einen Parkplatz anfuhr und zum Frühstück rief („Endlich bekommen die frühen Vögel ihren Wurm!“). Das Frühstück entpuppte sich dank der vielen Beiträge der Frauen tat­sächlich als Wellnessfrühstück und ließ keine Wünsche offen. Ordentlich gestärkt, brachen wir wieder auf zum nächsten Streckenabschnitt und erreichten gut gelaunt gegen 17.00 Uhr unser erstes Ziel: die Frommer Alm! Von dort ging es mit dem Sessellift (schon wieder Wellness!) zur Kölner Hütte in 2.337 m Höhe. Nach dem Abendessen gingen wir mit den Hühnern schlafen, um gut ausgeruht in den nächsten Tag zu starten.

 

Montag, 22.08.2016

In Erwartung des ersten Wellnesstages machten wir uns auf zur ersten Bergtour, die als leichte Eingewöhnung in die Klettersteigtouren der folgenden Woche gedacht war. Bei strahlendem Wetter wanderten wir zum Vajolonpass zum Vajolon­- Klettersteig Richtung Rotwandgipfel (2.806 m). Der Vajolon- ­Klettersteig war mein erster Klettersteig überhaupt und ich hielt mich tapfer dicht hinter Manni. Am Gipfelkreuz angekommen, war ich völlig überwältigt von dem atemberaubenden Panorama, das sich uns bot. Und schon ging es weiter Richtung Majaré­- Klettersteig, einem der schönsten Gratklettersteige der Dolomiten. Der Steig führt vorbei an zahlreichen Grattürmen, Spalten und schroffen Felsen. Der sich daran anschließende Abstieg führte vorbei an der Rotwandhütte. Wir frohlockten – Manni hatte uns Wellness­- Apfelstrudel mit Vanillesoße versprochen! Doch: oh Schreck! Der Apfelstrudel musste aus Zeitgründen ausfallen… Ein Drama! Doch wir widersprachen unserem Obervogel selbstverständlich nicht und flatterten ohne Apfelstrudel weiter Richtung Christomannos­ Denkmal. Nach wellness­unüblichen 9 Stunden und insgesamt 885 Höhenmetern aufwärts und 820 Höhenmetern abwärts (!) erreichten wir schließlich wieder unsere Ausgangshütte. Nach einem leckeren Abendessen ent­deckten wir einen neuen Wellnessaspekt: nach 9 Stunden Wanderung zum Einstieg in die Tour fühlten sich die harten Hütten­betten himmlisch an und wir sanken in einen tiefen, traumlosen Schönheitsschlaf.

 

Dienstag, 23.08.2016

Heute stand eigentlich der Santner- ­Klettersteig auf dem Programm. Nach kurzer Zeit stellte sich aber heraus, dass dieser für uns nicht ausreichend gesichert war, so dass wir uns für eine andere Tour entschlossen. Stattdessen gingen wir über das Tschagerjoch auf die Höhe, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Vajolet­- Hütte hatte. Von dort ging es weiter über den Pas de le Zigolade und wir begaben uns auf den Abstieg zur Rotwandhüt­te. Hier stellte sich heraus, dass der Kurs­wechsel vom Santner­- Klettersteig zum Tschagerjoch durchaus einen positiven Aspekt hatte: Heute hatten wir nämlich genügend Zeit, um endlich den Apfelstrudel mit Vanillesoße in der Rotwandhütte genießen zu können! Mit gefühlten zwei Kilo Mehrgepäck im Magen erreichten wir schließlich am späten Nachmittag wieder die Kölner Hütte – ein Kinderspiel bei heute nur 775 Höhenmetern Aufstieg und 780 Höhenmetern Abstieg!

 

Mittwoch, 24.08.2016

Heute stand der erste Hüttenwechsel auf dem Plan. Nachdem wir beim Bezug der ersten Hütte sehr verwöhnt waren, weil wir den Rucksack mit dem Sessellift transportieren konnten, kam heute das sportliche Erwachen: mit vollem Sturmgepäck ging es hoch zum Tschagerjoch, über den Pass und wieder hinab zur Vajolet­- Hütte ­.  Gegen Mittag erreichten wir die Hütte und relaxten bei einem zünftigen Mittagessen und einem kühlen Radler. Bergleben kann ja so schön sein! Frisch gestärkt und voller Tatendrang erkundeten Elisabeth und ich dann neugierig den ersten Abschnitt der nächsten Tagestour: wir stiegen über den Hütten- ­Versorgungsweg auf zur Grasleitenpass­- Hütte, von wo wir den Einstieg zum Kesselkogel­- Klettersteig bestaunen konnten.

 

Donnerstag, 25.08.2016

Der heutige Tag bildete definitiv den Höhepunkt der Frauentour! Frühmorgens brachen wir auf Richtung Grasleitenpass, vorbei an der Grasleitenpass­- Hütte zum Einstieg in die Westflanke des Kesselkogels. Wir stiegen hinauf bis auf 3.006 m, wo wir uns um das Gipfelkreuz versammelten. Auf dem Weg zum Gipfelkreuz wurde uns klar, dass „Grat“­Wanderung nichts mit „Gerade“­ Wanderung zu tun hat: auf allen vieren, mit krummem Rücken tasteten wir uns tapfer zum Kreuz vor: über uns nur Himmel, unter uns nur Abgrund…. Die Selbstüberwindung wurde reich belohnt mit einem traumhaften Blick auf den höchsten Berg der Dolomiten, die Marmolada, 3.343 m, mit dem größten Gletscher und seiner atemberaubenden Südwand! Am frühen Nachmittag kam der Abstieg, der erfreulicherweise in der Grasleitenpass­- Hütte mit einem erneuten Wellness­- Apfelstrudel endete – nur noch getoppt von der köstlichen Sachertorte. Dieses Mal reichten die gefühlten zwei Kilo Magen­- Mehrgepäck nicht mehr aus und wir rollten mehr, als dass wir gingen, Richtung Vajolet­- Hütte zur letzten Übernachtung.

 

Freitag, 26.08.2016

Unfassbar – der Rückreisetag war schon angebrochen! Mit vollem Gepäck verließen wir die Vajolet­- Hütte, wanderten über das Tschagerjoch zurück zur Kölner Hütte. Nach der „Henkersmahlzeit“ fuhren wir dann mit dem Sessellift zurück zur Frommer Alm, wo unser Bus stand. Noch ganz erfüllt von den wunderbaren Eindrücken machten wir uns auf den Heimweg über den Fernpass, wo wir einen letzten schönen Ausblick in die Bergwelt um die Zugspitze genossen. Gegen Mitternacht erreichten wir müde, aber glücklich unseren Ausgangspunkt. Zurück blieben eine Fülle wunderbarer Eindrücke und Erlebnisse sowie schöner Fotos, von denen wir alle sicher noch lange zehren werden.