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FJORDRUTA

Zwischen
Fjord und Fjell

Text: Stephanie Jungmann

 

Nach zwei Touren mit Ralf im Hohen Norden Norwegens waren wir dieses Jahr zwischen Fjord und Fjell auf der so genannten „Fjordruta“ im Westen des Landes unterwegs, um genauer zu sein: östlich und nordöstlich der Hafenstadt Kristiansund, ca. 100 km südlich von Trondheim. Die Tourenausschreibung verspricht mit 10 bis 12 km Strecke und ca. 4 bis 5 Stunden Wanderzeit täglich einen entspannten Urlaub. Cool, dann könnte man ja durchaus auch zwei Etappen an einem Tag machen. Könnte man…

Eine Besonderheit an der Fjordruta ist, dass man direkt am Flughafen Kristiansund starten kann. Und wenn man Glück hat und noch die Fähre ca. 4 km weiter erreichen muss, findet man auch ein Taxi, das 7 Leute mit großen, schweren Rucksäcken dorthin bringt. Wir sind am Abend eines anstrengenden Reisetages froh über diesen Luxus: nach verschiedenen Baustellen und Umleitungen im Raum Türkismühle erreichen wir am frühen Morgen in allerletzter Minute den Zug nach Frankfurt. Obwohl wir hier sehr viel Zeit zur Verfügung hätten, sind wir froh, nach einem längeren Intermezzo von Martina mit Zoll und Bundespolizei endlich im Flugzeug zu sitzen. Doch weiter geht’s in Oslo: am Gepäckband herrscht reges Treiben, nein eher totales Chaos, und wir war­ ten mehr als eine Stunde auf unsere Rucksäcke. Schon fast haben wir uns auf einen Zwischenstopp in Oslo eingestellt.

Die 10­tägige Trekkingtour startet dann am 3. August 2016 um genau 20.30 Uhr am Fährhafen Tommervag mit einer einstündigen Wanderung zur Trollstua, unserer ersten Hütte. Ob es denn hier wirklich Trolle gibt?

Und ist denn nicht 22 Uhr die beste Zeit, um noch Spaghetti mit Pesto zu kochen? Bei bestem Wetter starten wir nach langem Ausschlafen und ausdauerndem Frühstück unsere erste richtige Tour zur Gullsteinvollen, die nächste Hütte, die wir in ca. drei Stunden erreichen sollten. Da der Weg steil und oft zugewachsen ist und immer wieder sumpfige Stellen zu passieren oder zu umgehen sind, werden aus den drei allerdings vier anstrengende Stunden. Doch die sehr gemütliche Hütte und das Bad in der spätmittäglichen Sonne lassen den anspruchsvollen Weg schnell vergessen. Mit dem Bus überspringen wir am nächsten Tag ein laut Wanderführer eher langweiliges Stück der Fjordruta und erreichen dann, leider schon wieder über einen recht matschigen Weg, Rovangen, die erste Hütte im Fjell, sehr schön am See gelegen. Leider hat uns heute auch schon das gute Wetter der Vortage verlassen und wir sind am Abend richtig froh mit unserer schnuckelig warmen Unterkunft. Das Sahnehäubchen des Tages: aus selbstgepflückten Heidelbeermassen haben wir ein köstliches Dessert kreiert.

Das schlechte Wetter hat sich über Nacht ausgebreitet: schon morgens regnet es und außer wenigen Wolkenlücken verfolgt uns der Regen den ganzen Tag. Unser Ziel heute scheint unendlich weit weg. Aus den angekündigten vier werden wieder sechs Stun­ den. Keine Hütte auf unserer Route steht in kargerem Land als die Storfiskhytta, was aber gerade den besonderen Reiz ausmacht.

Wie schön! Am nächsten Morgen scheint die Sonne und der Weg über lange Strecken im weiten Fjell zur Sollia macht rich­tig Laune. Bei strahlendem Sonnenschein genießen wir die Mittagspause und den Blick über das schon herbstlich leuchtende Fjell. Sehr schön liegt die Hütte mit ihrer einzigartigen Architektur hoch über dem Vinjefjord. Ameisen und immer stärker werdender Regen am Abend vermiesen es uns allerdings, ausgiebig die Aussicht von der Bank vor der Hütte zu geniessen.

Eigentlich sind wir morgens überrascht, die Sonne zu sehen. Aber schön: so gehen wir ganz entspannt unseren Weg und erreichen nach ca. vier Stunden die überaus gemütliche Storlisetra. Die beiden Frauen, die wir hier treffen, geben auf: sie finden die Tour, auch wegen des schlechten Wetters, einfach zu anstrengend. Auch die Beschreibung der Tour im Führer sei viel zu optimistisch: sowohl in punkto Schwierigkeiten als auch bei der Zeitvorgabe. Sollten wir uns diesbezüglich auch Gedanken machen…

Nach dem Frühstück begleitet uns beim Aufstieg leichter Regen, der sich im Laufe des Tages recht kräftig entwickelt. Leider. Denn auch heute, sicher auch wegen der widrigen Wetterumstände und des doch sehr stark aufgeweichten Bodens, kommt das Tagesziel Grytbakksetra einfach nicht in Sicht.

Doch das „Highlight“ wird erst kommen: der strömende Regen begrüßt uns schon am Morgen und lässt uns den ganzen Tag keine Ruhe. Im Gegenteil: für die Tour auf das „Dach der Fjordruta“ auf ca. 900 m, vorbei an 8 Gipfeln, wurden ein großartiges Panorama und tolle Aussichten auf Fjell, Seen, Fjorde und Meer versprochen. Die Realität sieht leider anders aus: eisige Kälte und orkanartiger Sturm mit Eis und Schnee. Wie gut, nach nicht enden wollendem Auf und Ab endlich, bei einbrechender Dunkelheit, in der gemütlichen Hütte, sehr schön an zwei Seen gelegen, anzukommen. Unvorstellbar nach solch einem Tag: Fotos an den Wänden zeigen Badende in Bikinis bei strahlendem Sonnenschein.

Die Wettervorhersage macht keine Hoffnung auf Besserung, und so müssen wir den darauffolgenden Tag notgedrungen auf der Hütte verbringen. Schnee, Graupel und Regen klatschen waagerecht an die Fenster. Es bleibt uns wohl keine Alternative, als die Tour abzubrechen? Vielleicht schaffen wir es ja noch, einigermaßen trocken zur nächsten Hütte zu kommen.

Und tatsächlich: am nächsten Morgen scheint die Sonne, wir brechen zeitig auf und erreichen vor dem nächsten Regen die Tverrlihytta. Die Etappe über karge Höhen und durch bewaldete Täler ist ziemlich ab­ wechslungsreich. Und endlich schaffen wir es sogar, die im Tourenführer angegebene Zeit einzuhalten. Eine stürmische Nacht mit Starkregen steht uns aber noch bevor. Keine Besserung am Morgen: das Wetter bietet sich regelrecht an, den Tag schön warm und gemütlich auf der Hütte zu verbringen. Wenigstens klart es später auf, sodass wir bei einer kleinen Abendrunde mit einer großartigen Aussicht auf Fjell und Fjord Abschied nehmen können. Und tatsächlich erleben wir den im Wanderführer versprochenen Sonnenuntergang auf der großen Veranda.

Am nächsten Tag heißt es, wieder in die Zivilisation abzusteigen. War der Blick auf die schneebedeckten Trollheimen­Gipfel am Vortag noch durch dichte Wolken und Nebel getrübt: heute Morgen liegt der Nebel wie Watte im Tal und hat den Blick auf die Gipfel freigegeben. Atemberaubend….. und schööön. Auch wenn wir, unten angekommen, lange auf den Bus warten: wir kommen gut im Hotel in Kristiansund an und verbringen dort, nach einer ausgiebigen warmen Dusche noch unseren letzten Abend bei Pizza und Bier…         

Wie könnte man jetzt, kurz zusammengefasst, die Tour auf der Fjordruta beschreiben?

Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, man wechselt von der Fjordküste mit Wald, Heide und Sumpf ins Fjell oder in alpine Szenarien. Die Aussichten auf Meer, Fjorde und Seen gleichzeitig, oder, landeinwärts auf unzählige Gipfel, teilweise schon schneebedeckt, sind einfach grandios.

Die Wege sind zu mehr als 80% nicht aus­ getreten oder markant, man muss seinen Weg sehr oft in matschigen, vor Nässe triefenden Sumpfgebieten suchen. Und von wegen zwei Etappen an einem Tag: nein danke. Die Gegebenheiten machen das Wandern so anstrengend, dass die echte Gehzeit oft viel länger ist als angegeben.

Die Hütten mit ihren klangvollen Namen sind urgemütlich, super ausgestattet und durchgehend sehr schön gelegen.

Die Gruppe war sehr harmonisch, sowohl beim Wandern, als auch beim Wasserholen, Feuermachen, Rühren, Kochen, Essen oder Spülen.

Der Tourleiter Ralf, als „alter“ Hase und Lappland­-Trekking­-Erfahrener, hat mal wieder alles gegeben und alles super gut organisiert.

Dir, lieber Ralf, vielen Dank dafür, auch im Namen der Gruppe mit Tommy, Martina, Claudia, Susanne, Alexandra und Stephanie.