Your browser version is outdated. We recommend that you update your browser to the latest version.

 

Sardinien

Steine und Mee(h)r...

 

 

Text: Gerhard Schmitt

Sonntag, 8. Mai. Erst der zweite Tag und schon wieder war Flexibilität gefragt. Statt geplanter Wanderung vom Hotelaus eine Bustour in die Umgebung. Sardinien hält sich nicht an das Drehbuch: statt Sonne und laue Temperaturen, kalter Regen.

Erstes Ziel war ein lokales Maskenmuseum in MAMOIADA, in dem die örtlichen Bräuche zum Karneval dokumentiert sind. Der kalte Winter als wilder Mann mit Fell und Glocken gegen die fröhlichen Männer in bunten Kostümen für das erwachende Frühjahr. Die Tradition geht so weit, dass nur Männer als Darsteller teilnehmen dürfen. Der Besuch hatte auf jeden Fall Erfolg, auch wenn wir nicht wissen, wer den Winter letztendlich überwunden hat: als wir aus dem Museum kamen, schien die Son­ ne wieder. Das konnten wir uns dann alle zugute schreiben.

 Es ging weiter nach ORGOSOLO, im Reiseführer als Banditendorf beschrieben. Anscheinend haben die „Banditen“ heute eine andere Beschäftigung gefunden. Dort sind schon seit Jahrzehnten politische Themen auf den Hauswänden verewigt und der Ort ein Touristenziel. Zum Abschluss besuchten wir die GROTTE DI ISPINIGGLI, eine 135 m tiefe Karstquelle in einem kleinen Park.

Angekommen waren wir einen Tag vorher. Vom Flugplatz in OLBIA ging es mit einem Kleinbus am Morgen ca. 3 Stunden und 180 km über meist kurvige Bergstraßen bis zu unserem Hotel. Es hatte leicht geregnet, aber das hatte uns dann von der Erkundung des kleinen Ortes nicht abgehalten. Flexibilität war von Anfang an gefragt. Es ging schon los bei der Anreise zum Flugplatz nach Stuttgart, mit dem Zug statt mit Bus wie ursprünglich geplant (genauso wie die Rückfahrt), für einige ein Zwischenquartier in einem Appartementhaus gegenüber vom Hotel statt im Hotel selbst, und die tägliche Anpassung unseres Programms an das Wetter. Das war aber für alle kein Problem.

Wir waren 15 Personen: Manfred und Elisabeth Dillschneider, Uwe und Marlene Hartmann, Gisela Trampert­Ney, Uschi Siebenborn, Iris und Theo Görg, Gerhard Schmitt, Herbert Ruser, Manfred Braun, Karl­Heinz Falk, Norbert und Silvia Holz sowie Silvie Hägele. Untergebracht waren wir im Hotel Mediterraneo***, in SANTA MARIA NAVARESE, an der Ostküste von Sardinien. Das Hotel war schön, lag direkt am Strand und nur wenige Minuten vom Ortszentrum entfernt. Das Essen war gut, ein reichhaltiges Frühstücksbuffet und ein typisch italienisches Abendessen mit einigen sich täglich ändernden Wahlmöglichkeiten: Vorspeise (vorwiegend Nudeln in allen Variationen), Hauptgericht, Nachtisch, Obst. Als besonderer Service eine deutsche Übersetzung der Speisekarte. Was ein „Kleinschwein“ oder „Lätzchen“ sein soll, konnte man vermuten oder musste es bestellen und warten, bis es auf dem Teller lag.

 Am Montag, 9. Mai, dann die geplante Wanderung zur Felsnadel PEDRA LONGA. Unser Weg führte uns 2,5 Std. auf einem atemberaubenden Küstenpfad durch dichten Macchiawald zur einsamen Felsnadel PEDRA LONGA, die imposant aus dem Meer ragt und stetig näher kam. An einer schönen Bucht am Fuß des Felsens machten wir unser Picknick und konnten die an­ brausenden Wellen bestaunen. Nach der Mittagspause ging es über den Küstenpfad zurück.

Am Dienstag, 10. Mai, war dann der höchste Gipfel Sardiniens statt der tiefsten Schlucht das Ziel. Die Führung hatte Sandra, eine Berlinerin, die seit 2000 auf Sardinien lebt und mit ihrem Mann eine kleine Reise­ Agentur betreibt. Sie hat vorgeschlagen, statt der geplanten Wanderung in eine Schlucht in die Berge auszuweichen. Ursache war wieder das Wetter: an der Küste Wolken und Nebel, auf den Bergen Sonnenschein.

Es ging mit dem Bus durch die Gipfelregion des GENNARGENTU­Massivs mit dem höchsten Berg der Insel, der 1834 m hohen PUNTA LA MARMORA. Ein leichter Aufstieg von ca. 2 Std. mit weitem Blick auf kahle Hochflächen und sanfte Hügelketten. Auf dem Gipfel hatten schon mehrere Gruppen Rast gemacht. Ein fescher Italiener hat dann noch ein paar Becher Rotwein spendiert, was entsprechend gewürdigt wurde. Zurück ging es wieder ca. 2 Std. bis zu einer Berghütte, an der uns der Bus abholte. Die Berghütte war leider geschlossen: keine Belohnung für die Anstrengung. Wie Sandra erzählte, hat sie die Hütte noch nie bewirtschaftet erlebt.

Bei der Abfahrt vom Berg haben wir dann doch noch eine kleine Bar gefunden, wo es große Biere (0,66 l) gab. Nach einem kurzen Halt waren wir rechtzeitig zum Essen zurück.

Am Mittwoch, 11. Mai, wieder eine Rundwanderung von SANTA MARIA NAVARESE über UTTOLO und PEDRA LONGA. Zunächst ging es auf alten Pfaden ungefähr 500 Höhenmeter durch blühende Macchia hinauf zu einem Panoramaweg, unterhalb des MONTE ORO, Richtung BAUNEI. Herrliche Ausblicke auf die Küste und die Bucht von ARBATAX, zwischendurch die Begegnung mit einer freilaufenden Ziegenherde. Auf Sardinien laufen viele Nutztiere frei herum: wir haben immer wieder freilaufende  Ziegen, Schafe und schwarze Schweine gesehen. Von UTTOLO ging es steil abwärts Richtung PEDRA LONGA, wo wir wieder eine ausgedehnte Pause einlegten. Auf dem Küstenweg ging es dann zurück zum Hotel in SANTA MARIA NAVARESE . Vorher noch ein Zwischenstopp im Ort für Bier, Kaffee und gutes italienisches Eis. .  

Am Donnerstag, 12. Mai, besuchten wir dann die GOLA SU GORROPU Schlucht, wieder mit Sandra als Führerin. Wir erreichten in einer knappen Stunde mit dem Bus die Passhöhe GENNA SILANA auf 1017 m Höhe, wo Sandra auch wohnt. Der Weg ging ca. 2,5 Std. bergab durch vegetationsreichen Steineichenwald, über uns die Berge des SUPRAMONTE. Auf halber Höhe stand da, neben einem großen Erdbeerbaum eine nachgebaute Hirtenhütte. Auf einer Steinschicht von ca. 75 cm Höhe eine zeltartige Verschalung aus Holz mit einem „Storchennest“ als Spitze. Das Storchennest erlaubt den Abzug des Rauchs der Feuerstelle, ohne dass es hereinregnet. Die Hütte hat ca. 4 m Durchmesser und ist etwa genauso hoch. Die Tür ist sehr schmal: nicht alle wollten da durch. Nachdem wir den Eintritt (5 Euro) bezahlt hatten, durften wir auch in die GORROPU Schlucht, die sich als einer der gewaltigsten Canyons Europas erweist. Mit steilen, bis zu 300 m hohen Felswänden, am Eingang 5 – 10 m schmal. Heute war sie trocken, bis auf ein schmales Rinnsal unter den Steinen. Aber es geht auch anders, wie die riesigen Steine in der Schlucht zeigen. Mittendrin (wie Sandra erzählte) Supramonte, eine bekannte Kletterstelle für die Profis im 6ten bis 8ten Grad. Wir erkundeten die Schlucht noch für ca. 1 Std. Weiter ging es ohne Kletterausrüstung nicht. Wir kletterten über riesengroße Steine und schlängelten uns durch enge Spalten. An den schwierigen Stellen sind Hilfsseile angebracht. Danach ging es wieder zurück und ca. 2 Std. flussabwärts, wo uns der Bus zur Rückfahrt erwartete.

Am Freitag, 13. Mai war nur eine kurze Wanderung zur CALA GOLORITZE geplant. Mit den beiden Bussen zur SU GOLGO, einer Hochebene, und dann zur Küste. Ein wunderschöner Pfad mit fantastischen Ausblicken führte uns zur Traumbucht CALA GOLORITZE. Geplant war die Rückfahrt mit dem Schiff. Wir waren aber schon um 11.30 Uhr in der Bucht und wollten nicht 5 Std. auf das Schiff warten. Dafür war die Bucht dann doch zu klein. Manfred hat dann die Busse wieder geordert und wir sind nach der Mittagspause denselben Weg wieder zurück.

In der Nacht zu Samstag, 14. Mai, hieß es dann schon früh aufstehen: Um 3 Uhr war Abfahrt zum Flugplatz in OLBIA. Die Überraschung war groß, als nachts um halb drei der Hotelchef persönlich noch Kaffee kochte. Wir sind pünktlich gestartet und waren um 10.00 Uhr wieder zurück in Stuttgart. Mit dem Zug ging es dann wie bei der Hinfahrt über Mannheim und Mainz nach Türkismühle, das wir fast wie geplant erreichten.

Vielen Dank an „Comandante Manni“ für die schöne Tour, die gute Organisation vor­ her und die ständige Optimierung während der Tour selbst. Vielen Dank auch an alle Mitfahrer: wir waren eine gute Truppe.