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Wandern im Wilden Kaiser

Text: Anja Treinen

 

 

Am Sonntag, 17.07.2016, geht es wieder auf Wandertour. Mit dem Zug fahren wir in Richtung Tirol. Erste Station für uns ist Kufstein, „die Perle Tirols“; das können wir so aber nicht bestätigen. Es gibt schönere Orte dort. Mit dem Linienbus geht es auf abenteuerlicher Fahrt weiter bis nach Ellmau. Ellmau liegt in 770 m Höhe und ist vor allem bekannt als Filmkulisse vom „Bergdoktor“. Es folgt der erste Aufstieg unserer Wanderwoche. Es geht mit vollem Gepäck bergauf zur Gaudeamushütte (1.263 m), unserem Domizil für die nächste Woche. Und da hören wir es zum ersten Mal: Nur noch ein viertel Stündchen, dann sind wir da. Endlich ist die Hütte in Sicht. Sie liegt wunderschön auf der Südseite des Wilden Kaisers, mit Blick auf das Ellmauer Tor. Vom Hüttenwirt Martin nebst Frau Anni und Sohn Robert werden wir herzlich empfangen. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Die Hütte ist neu renoviert und urgemütlich. Hier ist der ideale Ausgangspunkt für die geplanten Wandertouren. Nach einem leckeren Abendessen und dem besten Kaiserschmarren, den wir je gegessen haben, fallen wir in unsere Betten.

Am nächsten Morgen führt uns Kalle zum Einwandern durchs Klamml zur Gruttenhütte. Diese steht auf einem kleinen Gradabsatz unterhalb der Ellmauer Halt in traumhafter Lage. Nach einer kurzen Stärkung wollen wir eigentlich hoch zum Kopftörl (2.058 m), werden aber leider durch den Aufzug eines Regengebietes zur Umkehr gezwungen. Die Rückkehr erfolgt teils über den Jubiläumssteig, teils über den normalen Wanderweg.

 

Der Dienstagmorgen erstrahlt im Sonnenschein und es wird entschieden, die Königstour dieser Wanderwoche heute schon zu starten:

Die Überschreitung des Wilden Kaisers durch das Ellmauer Tor.

Hierfür müssen wir erst mal absteigen zur Wochenbrunner Alm, wo schon ein Großraumtaxi auf uns Wanderer wartet. Wir umfahren den Kaiser über St. Johann nach Griesenau zur Griesner Alm (968 m). Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Vom Zustiegsweg zum Stripsenjochhaus zweigt kurz vor der Hütte links der Eggersteig ab. Nach 30 Minuten und geringem Höhenverlust erreichen wir auf ca. 1.450 m den Beginn der Steinernen Rinne. Nach einer kurzen Rast wagen wir den Anstieg. Es geht in vielen Kurven hinauf, teils über künstliche Stufen, doch stets gut gesichert, unter den hohen Wänden von Fleischbank und Predigtstuhl zum Ellmauer Tor auf 1.995 m. Dazwischen immer wieder: „Nur noch ein viertel Stündchen“. Wie viele „viertel Stündchen“ es letztlich waren, weiß ich nicht mehr. Oben angekommen zählt nur noch eins: Wir haben es geschafft. Der Ausblick ist spektakulär. Die mitgebrachte Rucksackverpflegung wird mit gutem Appetit verspeist. Danach wandern wir über etliche Schotterpassagen wieder hinunter zur Gaudeamushütte, wo schon unser wohlverdientes Bierchen wartet.

Am Mittwoch führt uns unser Weg über den Wilden­Kaiser­Steig zum Baumgartenköpfl auf 1.550 m mit dem berühmten Bergsteigergrab. Hier wurde der Wunsch eines ehemaligen Lehrers und Liebhabers des Kaisergebirges erfüllt, der hier seine letzte Ruhestätte fand. Wir gehen weiter hoch zur Wilderer Kanzel auf 1.680 m, von dort wieder hinab zur Ackerlhütte (Selbstversorgerhütte).

Die Schleierwasserfälle sehen wir eher nur von weitem, da sie wegen Steinschlaggefahr gesperrt sind. Auf der Graspoint­ Niederalm, einer Jausenstation (Jause = Vesper oder Zwischenmahlzeit) machen wir eine längere Rast und stärken uns mit Essen und Trinken, bevor wir wieder zur Gaudeamushütte aufbrechen.

Bislang hat das Wetter es wirklich gut mit uns gemeint; aber die Aussichten für den Donnerstag sind eher regnerisch. Mit Schirm und Regenjacken steigen wir wieder hinauf zur Gruttenhütte (1.620 m) und dann hinab zur urigen Riedlhütte (1.268 m), wo wir inmitten unberührter Natur von Hüttenwirtin Sabine fürstlich verwöhnt werden. Der nächste kurze Halt ist beim Ellmauer­Steinkreis. Das ist ein energetisches, in sich geschlossenes Naturkraft­Feld in Form eines riesigen Mandalas. Hier kann man den Alltag inmitten herrlicher Natur hinter sich lassen.

Über die Wochenbrunner Alm und den St. Anna­Grotten­Weg wandern wir wieder hinauf zu unserer Hütte.

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Es ist schon Freitag und wir steigen hinab ins Tal, um auf die gegenüberliegende Seite – den Hartkaiser – zu gelangen. Das ist zwar eher ein Seilbahn­ und Skigebiet, aber die Aussicht auf den gesamten Wilden Kaiser – den wir von der bekannten Rübezahl­Alm genießen können – ist grandios. An unserem letzten Abend in der Gaudeamushütte überrascht uns „Hüttensohn“ Robert mit Musik und Gesang und macht dem Namen der Hütte alle Ehre. „Gaudeamus igitur“ – Lasst uns also fröhlich sein. Die Stimmung könnte nicht besser sein.

So beschließen wir unsere Wanderwoche vor wunderschöner Kulisse, mit gutem Essen und Trinken, fröhlichen Wanderern, sehr herzlichen Gastgebern, dem besten Kaiserschmarren der Welt, tollen und auch anstrengenden Wanderungen und jeder Menge „Nur noch ein viertel Stündchen“, bevor wir uns am nächsten Tag über München wieder auf die Heimreise mac